Von der Zerstreutheit in die Konzentration

Wie im vorigen Beitrag angedeutet, gibt es Bedingungen, die das Neue braucht, um Eingang in unser Leben zu finden. Die weiße Leinwand ist das Eine, also das Unterbrechen von Routinen und Gewohnheiten. Eine weitere Bedingung ist die Konzentration. Das Gegenteil von Konzentration ist Zerstreutheit. Davon haben wir mehr als genug, wir leben buchstäblich in “The Age of Distraction” (Zeitalter der Zerstreuung).

“Du musst dich mit aller Herzenskraft sammeln, auf eines konzentrieren, damit du nicht dein Herz an die Wechselhaftigkeit rastloser Gesinnungen gewöhnst.”

Hildegard von Bingen *

 

Die täglichen Welt-Nachrichten oder Social-Media-Stürme, die kaum etwas wirklich Neues bringen, denn sie drehen stets nur weitere Kreise in diversen Szenarien und gegensätzlichen Meinungen, um das Klick-Potenzial hochzuhalten. Der täglichen Informationsflut gelingt diese Zerstreuung, indem sie ein urmenschliches Bedürfnis bedient, nämlich die Neugier: “Mal sehen, was es heute wieder Neues gibt, was los ist in der Welt. Wo das Gute gegen das Böse kämpft und wer gewinnt. Es wäre doch tragisch, wenn die Welt unterginge und ich bekäme es nicht mit, weil ich einen Tag nicht die News gecheckt habe…”.

 

Wir verwenden also unsere Aufmerksamkeit darauf, Informationen zu konsumieren, anstatt uns konzentriert um Verbesserungen in unserer eigenen Lebensqualität und in unserer Mitwelt zu kümmern. Ironie des Schicksals: All die “Neuigkeiten” verhindern, dass wirklich Neues in unser Leben kommt.

 

*aphorismen.de
 

Wie kommen wir da wieder raus? Wie finden wir wieder mehr Zugang zur Wirklichkeit? Die am Ende meist viel spannender ist, als die Konserve aus zweiter Hand.

 

Zunächst gilt es, die täglichen Routinen zu bemerken und zu hinterfragen. Wieviel Zeit verbringe ich mit Ablenkung? Zeit, die nicht wirklich erfüllend ist, in der nichts Neues entsteht? Und dann eine Entscheidung treffen. „Ja“ zur Konzentration auf das Wesentliche. Durch konkrete Tätigkeiten. Körperlich und/ oder geistig. Sich durch eigenes Tun verwirklichen, anstatt bloß Zuschauer:in zu sein.

 

Natürlich ist das nach einem vollen Arbeitstag eine andere Entscheidung als in der Freizeit. Und ja, wir dürfen uns entspannen, abschalten, vor der Glotze oder dem PC abhängen und uns berieseln lassen und zerstreuen. Nur, muss es den ganzen Abend sein oder reicht manchmal auch ein Powernapping (siehe Mikro-Auszeit)? 

 

Aus der Zukunft für die Gegenwart lernen: Wenn wir dereinst zurückblicken, womit wollen wir unsere kostbare Lebenszeit gefüllt haben? Was bedeutet das für den jetzigen Moment? Bringe ich also so viel Konzentration für das Wesentliche auf, dass ich eine bewusste Entscheidung treffen kann? Ich klappe den Laptop zu. Nehme ein Blatt Papier und schreibe eine Liste, zum Beispiel mit meinen Wünschen. Oder: Welche Qualitäten und Bedürfnisse möchte ich in meinen Beziehungen erfüllen? Welches (Mikro-) Abenteuer will noch erfahren werden? Ich werde konkret. Nicht immer, aber immer öfter.  


Andreas Fiedler, Business-Coach und leitender Redakteur der Potsdamer Impulse

 

 

Bild zur Meldung: © Joshua Earle auf Unsplash

Kalender

Nachrichten

Etage 3

Remise/Werkstatt für Clownforschung

Logo_hell

Logo_hell