Auszeit - wie das Neue ins Leben kommt

Manchmal fühlen wir uns eingefahren, wie auf einem Bahngleis, das kein Links und kein Rechts erlaubt. Täglich grüßt das Murmeltier. Eine leise innere Stimme wird hörbar, die sagt: beweg dich weiter, da wartet etwas Neues auf dich.

 

Nach dem Mikro-Abenteuer, das neue Erlebnisse kreiert, geht es nun noch etwas tiefer und wir fragen: wie gelingt es, das Leben nachhaltig reicher, bunter, intensiver zu gestalten, ihm eine neue Richtung zu geben. Was braucht es für einen Perspektivwechsel?
Ein neues Bild braucht eine weiße Leinwand. Der erste Schritt, bevor etwas Neues kommen kann, ist also: das Alte unterbrechen, aus den Alltagsroutinen aussteigen. Auf einer vollen Leinwand kann ich kein neues Bild malen. 

 

“Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.”  

 

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich eine wirkliche Unterbrechung meist auch etwas herausfordernd und ungemütlich anfühlt, es findet - wie das Mikroabenteuer - außerhalb der Komfortzone, außerhalb des Gewohnten statt. Etwas Widerstand von unserem System sollte also eingepreist werden. Das bedeutet, mich bewusst zu entscheiden, den Widerstand wahrnehmen UND ihm zugunsten des Neuen nicht zu viel Aufmerksamkeit zu geben.

 

Das erlebe ich z.B. bei einem einwöchigen Stille-Retreat. Ich soll früh aufstehen, vor dem Frühstück Yoga machen und mehrmals am Tag für eine Stunde still sitzen und meditieren. Kaffee gibt’s keinen. Also keinen Kaffee. Die ganze Woche. Und vier Tage lang wird auch nicht gesprochen. Gar nicht. Auch nicht in den Pausen. “Gibt’s da keine Abkürzung auf dem Weg zur Erleuchtung, geht das nicht intelligenter, effektiver?” denkt “es” in mir.


 

 

Die ersten drei Tage grummelt es weiter vor sich hin, bis dann am vierten Tag die Einsicht und das Tiefersinken kommen. Während einer Meditation spüre ich, wie sich im Inneren ein Fenster öffnet. Wie ich Zugang bekomme zu einem tiefen Gefühl der Freude. Das, wovon viel gesprochen wird. Dass unter allen Schichten der Persönlichkeit das Göttliche wohnt.

“Die eigene Erfahrung hat den Vorteil vollkommener Gewissheit.”

Arthur Schopenhauer

 

Diese Erfahrung hat mein Leben nachhaltig beeinflusst. Die Gewissheit, dass die Freude unter allem liegt.

 

Freude ist auch die dominierende Erfahrung während meines jüngst absolvierten Schauspielworkshops. Auch hier habe ich mit Widerständen zu tun. Ein straffer Zeitplan, mehr oder weniger pausenlos in der Gruppe, Arbeit an der Rolle, Stimme, Atem. Von morgens an, wo ich doch in der Regel eine gewisse Anlaufzeit benötige, um ganze Sätze sprechen zu können. Da soll ich schon performen. Adieu Komfortzone. Immerhin: Yoga vor dem Frühstück ist optional und Kaffee gibt’s auch. Und auch jetzt zahlt es sich aus, den Widerständen weniger Aufmerksamkeit zu schenken, mich auf das Neue einzulassen: Bonjour Spielfreude! Bonjour intensive Gefühle, Co-Kreativität, gemeinsames Lachen, Tanz um das Feuer. Leben pur. 

 

So lässt auch diese Auszeit mit der Freude am gemeinsamen Spiel ganz neue Bilder auf meiner Lebensleinwand entstehen.

 

Andreas Fiedler 

 

 

Bild zur Meldung: © Marcus Wallis auf Unsplash

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