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Ruhe finden in der Corona-Zeit

Es wurde gesagt, dass Frauen mehr Worte sprechen als Männer, als sei Kommunikation ein Wettbewerb der Quantität. Tatsächlich ist das Klischee falsch, es gibt keinen großen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Kommunikation hat mit dem Austausch von Informationen zu tun, und Worte sind nur die Mittel dafür. Ich erinnere mich an ein Sprichwort, das meine Großmutter liebte: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

 

Während der Corona-Zeit gab es viel Lärm, einen rauschender Strom von digitalem Geschwätz. Gleichzeitig herrschte viel Schweigen, da die Menschen viel allein waren. Für mich waren die Monate des Lockdowns wie wechselhaftes Wetter. Manchmal genoss ich den Lärm. Manchmal hörte ich nur die Stille und fühlte meine Isolation auf sehr rohe Weise.

 

Genauso wie wir zwischen Mittag- und Abendessen Zeit für die Verdauung brauchen, brauchen wir auch Ruhe zwischen den Wörtern, um ihre Bedeutung zu verdauen. Dies wurde mir kürzlich  bestätigt, als ein Teilnehmer während eines Online-Meetings sagte, „Beim Home-Office helfen mir die Pausen, mich zu konzentrieren“. Wie meine Großmutter sagte, sind stille Pausen wertvoll wie Gold.

 

Ein Nebeneffekt der Corona-Zeit sind die Corona-Kilos. Wir steckten zu viel in unseren Mund und bewegten uns zu wenig. Jetzt wenden sich unsere Gedanken der Bewegung zu, was eine gute Sache ist. Nichtsdestotrotz, viele fühlen sich in Fitnessclubs und -kursen unwohl. Der junge Trainer ermutigt uns, bis zum Umfallen zu schwitzen und weiterzumachen. Dennoch, einmal aufgehört, ist nicht alles verloren - Sisyphus lässt grüßen.

 

Es gibt jedoch andere Aktivitäten, bei denen der Schwerpunkt auf innerer Ruhe liegt. Mit Ruhe schenken wir uns selbst Zeit, die wir für die ‘Verdauung’ im Kopf brauchen. Dies ist nicht nur durch Meditation oder ähnliche Aktivitäten möglich. Beispielsweise in bewussten Bewegungen wie bei der Feldenkrais-Methode folgen auf Übungen Pausen. Warum nach einer langsamen Bewegung ausruhen? Nicht um sich zu entspannen und zu erholen, sondern um das Lernmuster zu integrieren, und so eine neue, effiziente Möglichkeit im Gehirn zu speichern.

 

Die systematische Verbindung von Bewegung mit Bewusstsein wie bei Shiatsu, der Grinberg®-, Talmi®- oder der Feldenkrais®-Methode intensiviert das Lernen. Es geht nicht darum zu schwitzen, sondern zu fühlen, zu verdauen und sich dadurch zu verbessern. Nur mit Bewusstsein und Langsamkeit kann man sehen, wie man sich bewegt. Nur dann passiert Entwicklung.

Genau wie die Stunden zwischen den Mahlzeiten zur Verdauung und die Stille zwischen den Worten zum Verständnis, lassen die Pausen unser Gehirn die funktionelle Bewegungen verdauen. Das Ergebnis ist eine verbesserte Ergonomie und Haltung. Eine erhöhte Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit gegen den körperlichen und geistigen Stress des Alltags. Und eine innere Ruhe, die die Ruhe des Körpers widerspiegelt.

 

"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold” sagte meine Oma. “Stop. Und lasse es nachwirken” ergänze ich.

 

Ben Parsons  

 

Foto: © pixabay.com

Petra Foidl

Remise/Werkstatt für Clownforschung

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