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Arbeit

„Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe“, schreibt Khalil Gibran und stellt damit unser altes Paradigma auf den Kopf. Wenn meine Arbeit ein nützlicher Beitrag für andere ist, es ihnen hilft, ein Bedürfnis zu erfüllen oder ein Problem zu lösen, dann bin ich auf der sinnhaften Sonnenseite. Für den Arbeitenden geht es um Potenzialentfaltung und Selbstausdruck., d.h. dass in der Arbeit meine besonderen Begabungen, Talente und Fähigkeiten zum Ausdruck kommen und sich weiter entwickeln können. Je größer hier die Stimmigkeit, umso konstruktiver werde ich wirken. Wer mit Freude und Herzblut bei der Sache ist, erzeugt größere Resonanz und einen höheren Mehrwert als jemand, der am falschen Platz ist. Manchmal kann man wiederkehrende Arbeiten wie Bügeln und Kochen auch als Meditation nutzen.

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In unserem Sprachraum stammt das Wort ab von dem wenig lieblichen arebeit, was soviel bedeutet wie „BeschwernisLeidenMühe“ oder gar Sklaverei (rabota). Orientieren wir uns besser an dem englischen „work“, das auf denselben Ursprung wie das „Werk“ zurückgeht und damit mehr den sinnstiftenden, produktiven Charakter von Arbeit beschreibt. Auch das niederländische „werken“, weist uns auf ein positives „Wirken“ hin. Und schließlich impliziert das schwäbische „schaffen“ zudem noch die schöpferische Dimension. Mit meinem Werk erschaffe ich etwas, das für andere wertvoll und nützlich ist. Ich bewirke etwas, mache einen Unterschied. Aus soziologischer Perspektive bringe ich mich damit in Resonanz mit der Welt. Diese Resonanz ist wesentliche Bedingung dafür, dass wir uns in der Welt aufgehoben und Zuhause fühlen. 

Wenn meine Arbeit ein nützlicher Beitrag für andere ist, es ihnen hilft, ein Bedürfnis zu erfüllen oder ein Problem zu lösen, dann bin ich auf der sinnhaften Sonnenseite. Wenn Arbeit entfremdet (siehe Karl Marx), zu sehr fremdbestimmt oder sinnentleert ist – oder gar ein sogenannter „Bullshit-Job“, Arbeit die keiner braucht oder sogar schädlich sind – dann ist das eine deutliche Einladung, etwas zu verändern. Was gestern noch stimmig und sinnvoll war, muss es heute oder morgen schon nicht mehr sein.

Was bedeutet nun „sichtbar gemachte Liebe“? Zunächst geht es auf der Seite der Empfänger um einen positiven Unterschied, sei es in der Lebensqualität oder einfach in der Fähigkeit, bestimmte Jobs besser zu erledigen. Wie der Programmcode etwas funktionieren lässt, wie der neue Haarschnitt ein gutes Gefühl gibt, das gute Essen Genuss und Freude bringt, so macht im guten Fall auch die Beratung oder Behandlung einen positiven Unterschied. Jedes Produkt (von pro ducere = zu etwas führen), jedes Wirken führt jemand von einem Zustand A zu einem besseren Zustand B - oder sollte es zumindest - es gibt auch jede Menge „Bullshit-Produkte“, die keiner wirklich braucht.

Was ist mit Familien- oder Hausarbeit? Was bewirke ich, wenn ich aufgeräumt, saubergemacht oder Wäsche gewaschen habe? Wenn ich Kinder betreut habe? Das Wirken besteht hier aus einem Zustand, der durch meine Arbeit hergestellt ist. Zugegeben ein flüchtiges „Werk“ aber doch ein „nachher“-Zustand, der eine höhere Lebensqualität beinhaltet als das „vorher“. Ich pro-duziere für mich und meine Mitmenschen eine Wohlfühlatmosphäre, Geborgenheit oder andere Qualitäten. Auch wenn Sisyphos hier stets um die Ecke grinst. Manchmal kann man solche wiederkehrenden Arbeiten wie bügeln und kochen auch als Meditation nutzen…

Was bedeutet sichtbar gemachte Liebe für den, der arbeitet? Hier geht es um Potenzialentfaltung und Selbstausdruck., d.h. dass in der Arbeit meine besonderen Begabungen, Talente und Fähigkeiten zum Ausdruck kommen und sich weiter entwickeln können. Je größer hier die Stimmigkeit umso konstruktiver werde ich wirken. Wer mit Freude und Herzblut bei der Sache ist, erzeugt größere Resonanz einen höheren Mehrwert als jemand, der am falschen Platz ist. Selbstbestimmtes Arbeiten in einer Selbständigkeit bringt in der Regel ein hohes Maß an Verantwortung und Unsicherheit, aber auch mehr Möglichkeiten zur Potenzialentfaltung und auch finanziellen Erfolg als eine mehr fremdbestimmte Angestelltentätigkeit.

Wenn wir unsere Arbeit hinterfragen wollen, dann von diesen drei Seiten:
1. Ist mein Ertragsmodell nachhaltig, d.h. wie ist das Verhältnis von Energieeinsatz und Ertrag, bekomme ich mindestens das zurück was ich reingebe?
2. Sinn: Welchen sichtbaren oder messbaren Unterschied für die Lebensqualität macht meine Arbeit?
3. Freude: Wie gut kann ich mein Potenzial darin entfalten, wieviel Selbstausdruck erlaubt mir mein Job?
Das Hinterfragen lohnt sich, denn nach Alexander von Humboldt „ist das menschliche Gemüt nie heiterer gestimmt, als wenn es seine richtige Arbeit gefunden hat.“


Andreas Fiedler

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Petra Foidl

Remise/Werkstatt für Clownforschung

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