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Darm mit Hirn

Nachdem wir in der letzten Impulse-Ausgabe Mund und Magen bei der Vorarbeit begleitet haben, geht es jetzt beim Thema Darm um elementare Verwertung und Integration. Du bist was du isst - oder „Du bist, was du regelmäßig konsumierst“. Ein Zusammenhang, der uns selten ganz bewusst ist. So gut oder so wenig geistige Nahrung unsere Potenzialentfaltung und unsere Lebensqualität fördert, ist es auf Dauer auch das Essen. Der Zusammenhang ist noch deutlicher geworden, seit der Darm in seiner funktionalen Komplexität und emotionalen Bedeutung als „Zweites Gehirn“ erforscht wird.

Der Darm ist evolutionär das älteste und beim Menschen das größte Organ mit Nervenzellen, das auf die Umwelt reagiert. Er entwickelte sich lange vor Haut, Herz, Lunge oder Hirn. Darm und Hirn ähneln sich phänotypisch, also in ihrem Aussehen. Manchmal auch im Inhalt, insofern ein aus dem Gleichgewicht geratener Darm auch die Gedanken negativ beeinflusst. Vielleicht kommt daher auch der derbe Spruch "dem haben sie ins Gehirn gesch…", wenn wir es mit Zeitgenossen zu tun haben, die von allen guten Geistern verlassen scheinen.
 

Tatsächlich kann ein dysfunktionaler Darm sogar zu Depressionen führen. Die sog. Darm-Hirn-Achse, die Verbindung zwischen der individuellen Zusammensetzung der Darmbakterien („Mikrobiom“) und der Gedanken- und Gefühlswelt ist ein neueres wissenschaftliches Forschungsgebiet, das uns einmal mehr zeigt, wie auch im Körper alles mit allem zusammenhängt und wir ihn mehr und mehr in seiner Ganzheit verstehen lernen.

Woran orientieren wir uns nun? Was nährt uns wirklich „voll und wertig“? Ein wesentlicher Aspekt ist der Grad der Verarbeitung und Anreicherung mit Stoffen wie Zucker, Salz, Stärke, Aromen und weiteren Zutaten aus dem Labor. Industriell-kommerzielle Verarbeitung versus Naturbelassenheit. Im Geistigen ist es analog dazu der Überfluss an Informationen, angereichert mit persönlichen Meinungen, emotionaler Aufgeregtheit und „alternativen Fakten“, die das gesunde Gleichgewicht stören. Clickbaiting-Zerstreutheit versus wache Zentriertheit.
 

Weniger ist mehr: Auch der Darm geht gerne mal zum Retreat um sich zu reinigen - genannt Fasten. Er kommt viel besser mit weniger zurecht als mit der ständigen Befütterung. Genauso wie der Geist Phasen der Ruhe und des „Nichts“ braucht, um sich auf das Wesentliche besinnen zu können.
Natur und Stille - was für den Geist gut ist, wird auch den Darm ins Gleichgewicht bringen.

 

Andreas Fiedler

 

Foto: © pixabay.com

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