Trauma - die Wunde sehen und heilen

Trauma in der einen oder anderen Form haben wir alle erlebt, es hat meist mit einem Verlust von Verbindung zu tun. Verbreitet sind auch transgenerationale Traumata, die unbewusst an die Kinder weitergegeben werden.

Das kann der Verlust der Verbindung zu einem wichtigen Menschen sein (Kaltherzigkeit, Trennung, Krankheit oder Tod), zu einem Ort (Flucht und Vertreibung), einer Gemeinschaft (Arbeitskollegen, Familie, Freunde) oder - und vor allem - die Verbindung zu sich selbst, zu eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und seelischen Regungen. 

 

Wir kommen in der Regel ziemlich heil und ganz auf diese Welt, sind offen und empfänglich für das, was uns begegnet, haben einfachste Bedürfnisse und sind eins mit allem.

Aus der Sicht des kleinen Kindes. Dann passieren uns Dinge: Grundbedürfnisse werden gar nicht oder nur zum Teil erfüllt, wir geraten in eine existenzielle Krise, es fühlt sich an, als müssten wir sterben, als wären wir für immer mutterseelenallein auf diesem Planeten.

Da ist niemand der uns hält, niemand der uns beantwortet, Wärme, Verbindung und Sicherheit schenkt. Minuten sind wie Stunden, Stunden wie eine Ewigkeit. Todesangst.

Anspannung entsteht, ich muss mich selbst halten. Ich höre auf danach zu rufen, denn es antwortet keiner. Ich gebe auf.

 

Der Begriff Trauma stammt aus dem Griechischen und bedeutet “Wunde”. Es entstehen seelische Wunden, wenn Grundbedürfnisse wiederholt ungestillt bleiben. Um zu überleben, suchen wir nach einem Ausweg; versuchen das, was fehlt, zu kompensieren.

Wenn die Emotionen zu stark werden, versuchen wir, diesen zu entkommen, schalten die Verbindung zum Körper ab, betäuben uns so gut wir können. Bloß nicht wieder diesen Schmerz fühlen.

Daraus bildet sich ein Überlebensprogramm, das System lernt schnell. Das was funktioniert, wird weiter gemacht. Das ist das neue Normal, Gefühle sind unangenehm, also spalten wir sie ab. Was bleibt, ist eine Grundspannung im Körper, der natürliche Energiefluss ist blockiert. Das Leben wird anstrengend, wir arbeiten immer gegen einen Widerstand. Wir tun, aber wir leben nicht. Wir funktionieren und sind dabei innerlich leer. Der Schmerz ist betäubt, doch die Freude auch. Die traumatische Erfahrung ist in unserem System wie eingefroren. “Ich komm schon alleine klar”.

 

Bis wir eines Tages daran gehen und unsere Wunden ernsthaft anschauen. Bis wir ihnen Raum geben und ihnen erlauben zu heilen. Wenn wir mit Analyse und Sprache nicht weiterkommen, können wir Zugang über den Körper finden. Ein frühkindliches Trauma widersetzt sich jeglicher Art der Rationalisierung und Relativierung.
Es ist.
Es bleibt.
Solange, bis es ganz gesehen und angenommen wird: Ja, das war grauenvoll. Ja, ich hatte Todesangst. Ja, ich brauche Trost und Verständnis. Ja, ich brauche jemanden, der oder die mich sieht, mich hält, mich berührt. Einfach liebevoll mit mir in Verbindung ist und absichtslos präsent.

Ganz viel bewusst empfangene Berührung, immer wieder - solange bis die Wunde heilt.

 

Andreas Fiedler

 

 

 

 

Bild zur Meldung: © Jimmy Conover auf Unsplash

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