Kommunikation mit Hochsensiblen

Das mit der zwischenmenschlichen Kommunikation ist ja so eine Sache. Da kann eine ganze Menge schief gehen. In dem Sinne: „Ich verstehe, was Du sagst, aber nicht was Du meinst.“ Aber, darum geht es mir in diesem Text nicht. 

Mir geht es darum zu beschreiben, wie es hochsensiblen Menschen gehen kann, wenn sie sich mit anderen unterhalten. Ihre Wahrnehmung ist besonders sensitiv und daher wird die Kommunikation auf allen Ebenen überdurchschnittlich tief ausgelesen. Körpersprache, die Tonalität der Stimme und die Gefühle, die beim Sprechen mittransportiert werden, finden wenig gefiltert ihren Eingang in das neurosensitive Gehirn.

 

Wie das neurosensitive Gehirn eines hochsensiblen Menschen funktioniert, habe ich hier beschrieben. Für diese Menschen kann Kommunikation, vor allem, was das Sprechen betrifft, rasant zu einem „Zuviel“ werden. Das Gesprochene wird dann als zu laut, zu schnell, zu verkopft, von der Tonmelodie her unangenehm oder als zu emotional wahrgenommen. 

 

Für mich als HSP (High Sensitiv Person) ist es besonders herausfordernd, wenn eine Fülle von Informationen in einer erhöhten Geschwindigkeit auf mich einprasseln. Hochsensible Menschen müssen besonders gut für sich sorgen, auch in der zwischenmenschlichen Kommunikation, da sie sonst ihr Nervensystem überlasten. Für viele hochsensitive Menschen ist das ein echtes Problem - denn wie kommuniziere ich ein doch eher ungewöhnliches Bedürfnis so, dass die andere Person neutral darauf reagieren kann?


 

Woran erkenne ich überhaupt den Grenzpunkt, an dem ich die Situation verändern muss, um nicht in eine Überreizung zu gelangen? Wenn diese nämlich erst einmal erreicht ist, wird es schwierig mit einer wohlwollenden Äußerung. Wir alle kennen das, wenn es plötzlich aus einem herausplatzt. An dem Punkt ist dann bereits Stress vorhanden und der wohlwollende Ton hat sich verabschiedet.

 

Für mich ist die folgende Situation die herausforderndste und nicht auszuhalten: Mehrere Menschen sitzen an einem Tisch mit mir zusammen und unterhalten sich über Kreuz. So, dass sich mindestens zwei Gespräche parallel in meinem Gehirn versammeln. Da zieht sich in mir alles zusammen und ich muss weg oder darum bitten, dass nur ein Gespräch auf einmal geführt wird. Ich bin es gewohnt, dann etwas verwunderte Blicke zu ernten. Manche Menschen sind aber auch dankbar für meinen Einwurf, da sie bemerken, dass es auch für sie anstrengend war.

 

Immer wieder teste ich ein wenig meine Grenzen aus in diesen fordernden Momenten, weil ich mich trainieren will und meine Sensitivität kein Alibi sein soll. Aber, ab und zu halte ich zu viel aus und bin dann hinterher völlig erschöpft. 

Das ist ein gutes Lernfeld in Bezug auf Selbstfürsorge. Mir hilft es, hinter meiner Sensitivität zu stehen und diese auszusprechen, bevor ich meinen Wunsch nach mehr Langsamkeit oder beispielsweise Stille äußere. 

 

Katharina Höricke

 

 

Bild zur Meldung: © Priscilla Du Preez auf Unsplash

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