In Verbindung mit dem Leben bleiben - Demenz vorbeugen

Eine etwas andere Perspektive auf degenerative Symptome.

 

Wir können viel dazu beitragen, dass wir im Alter nicht den Verstand verlieren, dass uns geistiger Verfall und Demenz erspart bleiben (Demenz von lat. demens: ohne mens, ohne Verstand). Es gibt aktuelle Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen Demenzerkrankungen und traumatischen Erfahrungen hinweisen. Auch zwischen Demenzerkrankung und dem Erleben von Einsamkeit. Wer ein Trauma erfahren und es nicht verarbeitet bzw. es verdrängt hat, der trägt ein bis zu 50% höheres Risiko an Demenz zu erkranken. Wer sich einsam fühlt, ebenso.


Trauma in der einen oder anderen Form haben wir alle erlebt, es hat meist mit einem Verlust von Verbindung zu tun. Verbreitet sind auch transgenerationale Traumata, die unbewusst an die Kinder weitergegeben werden.
Das kann der Verlust der Verbindung zu einem wichtigen Menschen sein (Kaltherzigkeit, Trennung, Krankheit oder Tod), zu einem Ort (Flucht und Vertreibung), einer Gemeinschaft (Arbeitskollegen, Familie, Freunde) oder - und vor allem - die Verbindung zu sich selbst, zu seinen Bedürfnissen, Gefühlen und seelischen Regungen. 
Wer nur eine bestimmte Rolle (Familienmanager:in, Arbeitskolleg:in, Therapeut:in, Lehrer:in usw.) spielt, überwiegend “funktioniert”, der läuft Gefahr, dass wichtige innere Anteile nicht gesehen werden. Das können sehr sensible Anteile sein (das “Innere Kind”), kreativ-musische oder sinnliche Anteile.
Der Körper signalisiert mit unterschiedlichen Symptomen, wenn der Mensch durch ein eingeschränktes Rollenverständnis und abgespaltene Traumata die Balance verloren hat.

Nicht umsonst haben beruflich sehr eingespannte Menschen ab 50 Jahren ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.

Degenerative Erkrankungen sind ein Anzeichen dafür, dass Verbindung verloren gegangen ist. Und diese Verbindung können wir (wieder) herstellen.

 

Ein gesundes soziales Eingebundensein ist ein wichtiger Faktor, mit dem wir der Demenz und anderen psychosomatischen Erkrankungen vorbeugen können. Dabei kommt es weniger darauf an, möglichst viele soziale Kontakte zu haben. Viel wichtiger ist die Qualität der Verbindungen. Denn man kann sich auch in Gesellschaft einsam fühlen, wenn die Verbindungen zu anderen Menschen eher oberflächlicher Natur sind. Genauso wie die lebendige Verbindung zu den eigenen inneren Anteilen einen positiven Unterschied für die Gesundheit macht, so ist es mit anderen Menschen. 

 

Wobei sich beides bedingt: Wer mit sich selbst gut im Kontakt ist, kann auch leichter Beziehungen führen. Fühle ich mich eingebunden, getragen von meinen Beziehungen? Werde ich so gesehen, wie ich bin und sehe ich andere in ihrem Menschsein? Kommuniziere ich auf eine verbindende Art, höre ich mit dem Herzen zu und zeige ich mich anderen mit meinen Ängsten und Nöten? Das kostet manchmal Überwindung, da wir es gewohnt sind, die Kontrolle zu haben und alles vernunftgesteuert und selbständig zu regeln.

Genau diese Kontrolle aber wird uns genommen, wenn wir dement werden - insofern sorgt unser System gewissermaßen für einen Ausgleich. Also geben wir besser frühzeitig und dosiert die Kontrolle auf.

Geben wir den Tagen mehr Leben, nicht nur dem Leben mehr Tage. Seien wir unvernünftig, verbinden uns mit uns selbst und anderen - bevor wir den Verstand verlieren.

 

 

Andreas Fiedler

 

 

Bild zur Meldung: © pixabay.com

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