Wenn der Geist schwindet

Eine neue Chance für Verbundenheit

 

Parkinson und Demenz - wie nähert man sich diesen Erkrankungen, wie gehe ich gut mit den Betroffenen um? Zunächst bin ich sehr wissenschaftlich an die Thematik herangegangen. Erst zu einem viel späteren Zeitpunkt habe ich erfahren, dass es bei diesen Erkrankungen nicht nur darum geht, die physiologischen Prozesse rational zu verstehen. Mindestens genauso wichtig ist es, ihre geistig-seelischen Ursachen zu erkennen, um angemessen auf die Betroffenen einzugehen. So kam ich dazu, mich mit folgenden Kernaussagen des Ayurveda zu beschäftigen.

 

Die Ursache beider Erkrankungen liegt danach in unverarbeiteten Ereignissen. Bei Morbus Parkinson drückt sich das Trauma mehr auf der physischen Ebene aus - dem “sareera prakrti”, während es sich bei Demenz auf der emotionalen Ebene zeigt - dem “manasa prakrti”. Im Ayurveda tragen beide Erkrankungen in ihrer Entstehung die Eigenschaften von Kälte, Trockenheit und Rauheit im Herzen, dem Sitz der Seele. Durch unverarbeitete Erlebnisse wurde die Vorherrschaft des Geistes über die Gefühle garantiert. Der Geist, der seine Wertungen stets aus Vergangenem generiert und das Leben kontrollieren möchte.


Bei Demenz schwindet der Geist aus dem Körper, bis er nicht mehr vorhanden ist. Bei Morbus Parkinson wird der Geist allmählich durch die fortschreitende Unfähigkeit des sich Äußerns und Handelns von der Außenwelt abgeschnitten. In beiden Formen tritt mehr und mehr das pure Sein in den Vordergrund. Es ist die Seele, die ihre Räume zurückerobert.

Der Geist, der uns - von Überlebensängsten geleitet - daran gehindert hat loszulassen, wird in seine Schranken verwiesen. Für viele Patienten ist es ein Aufatmen. Endlich dürfen sie sein. Der Kontakt zur Außenwelt erfolgt nun über die Haut, das Fühlen. Die streichelnden, sanften Berührungen lassen die Erkrankten erwachen.

 

Durch sehr viel Zuwendung, Wärme, fließende Berührungen und Öl-Anwendungen lässt sich der im Ayurveda benannte extreme Vata-Zustand beider Erkrankungen mildern. Wir können die Seele unseres erkrankten Familienmitglieds erreichen über sanfte Töne und Berührung. Sie werden uns antworten und uns auf ihre Art zu verstehen geben, dass sie endlich frei sind. Beide Erkrankungen verfolgen das Ziel der Leichtigkeit und des Loslassens. Gönnen wir diesen Zustand unseren erkrankten Familienmitgliedern, auch wenn es uns verständlicherweise oft schwer fällt, diesem etwas Positives abzugewinnen.


Die tiefe Verbundenheit wird nicht mehr auf der rationalen Ebene stattfinden. Wir – die Gesunden – werden dazu eingeladen, in Kontakt zu unseren erkrankten Familienmitgliedern zu treten, um uns auf einer immateriellen Ebene zu treffen, die keine Grenzen hat. Der Vata-Zustand ist ein Zustand der Grenzenlosigkeit und der Seelenwanderung. Es ist eine Chance, eine andere Ebene des Seins kennenzulernen. Es liegt allein an uns, wieweit wir uns ihr öffnen wollen und uns dem Fühlen hingeben.

 

Gabriele Oppermann

 

 

Bild zur Meldung: © Nani Chavez auf Unsplash

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