Depression - die kleine Schwester des Todes

Mein Weg zur Lebendigkeit

 

Bei dem Wort „Lebendigkeit“ dachte ich sofort an Depression. Vermutlich, weil ich damit eine eigene Geschichte habe und mich erst seit ein paar Jahren so richtig lebendig fühle. Für mich gehört beides zusammen: Ich habe erst den Weg über den „inneren Tod“ nehmen müssen, um mich richtig lebendig fühlen zu können.

 

Diese Worte habe ich erst im Nachhinein dafür, denn währenddessen hätte ich bestimmt nicht gesagt, „ich fühle mich innerlich tot“. Depression hat so viele Facetten - dass ich eine hatte, war für mich und Menschen aus meinem näheren Umfeld nicht offensichtlich.


Erst in der Rückschau erkenne ich, wie wenig Lebensfreude in mir steckte. Dabei kann Depression noch sehr viel heftiger ausfallen, als es bei mir der Fall war. Ich war nicht komplett handlungsunfähig, aber vieles fiel mir schwer und war anstrengend. Es fehlte mir an Energie, ich war immerzu müde und was ich tat, bereitete mir wenig Freude.

 

Der große Knackpunkt war bei mir ein Lebensabschnitt, in dem alles hätte großartig sein sollen. Ich befand mich in genau der Situation, die ich mir gewünscht hatte und war trotzdem noch traurig und unmotiviert. Ich konnte mir nicht erklären, weshalb und ging daher davon aus, dass sich die Traurigkeit körperlich in mir festgesetzt hatte. Ich entschied mich für einen radikalen Ansatz, denn ich hatte bereits schon so viel anderes getan, um die Schwermut immer kleiner werden zu lassen.

 

 

 

Ich ließ mich in Berlin mit einer jahrtausendealten Heilmethode (Kambô*) der indigenen Menschen aus dem Amazonas behandeln, bei der man (nicht nur) stark erbrechen muss. Ich kotzte meine Traurigkeit aus. Danach war ich eine andere Person. Die Wochen danach weinte ich immer wieder vor Glück. Die Traurigkeit war weg! Da war plötzlich so viel Freude und Energie!

 

Nun mussten nur noch meine Gedanken nachziehen, denn mir fiel auf, wie kritisch, also negativ sie waren. Eine weitere Erkenntnis war also, dass meine Traurigkeit mit meiner Art zu denken zusammen hing und nicht nur rein körperlich war.

 

Heute bin ich sehr dankbar dafür, dass ich erfahren habe, wie es sich anfühlt, wenn Traurigkeit ein ständiger Begleiter ist. Aus dem Wunsch heraus, mich von ihr nicht mehr begleiten zu lassen, konnte erst meine jetzige Lebensfreude und Lebendigkeit entstehen. Mir half das Bewusstsein darüber, dass alles vergänglich ist und dass das Eine nicht ohne das Andere existiert. Ohne diese depressive Verstimmung, die mich sehr lange begleitete, hätte ich meine jetzige Lebendigkeit nie so wertzuschätzen gewusst.

 

 

*Gesundheitlicher Hinweis zu Kambô: Hierbei handelt es sich um eine schamanische Praxis mittels des Gift des Riesenmakifroschs. Neben vielen positiven Berichten gibt es auch einige über schwerwiegende Probleme nach einer Kambô-Session.

 

Katharina Höricke 

 

 

Bild zur Meldung: © Stephanie LeBlanc auf Unsplash