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Durch die Krise mit Hirn und Herz

Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegt unser Wachstum und unsere Freiheit.
Viktor Frankl

 

Wir bemerken in diesen Zeiten eine sich verstärkende Polarisierung unter den Menschen basierend auf verschiedenen Meinungen. Der eine Pol fühlt sich unzulässig in seinen Freiheiten beschränkt, der andere wünscht sich ein größtmögliches Maß an Sicherheit. Der eine Pol fühlt sich von finsteren Mächten bedroht, der andere glaubt, sein Heil in staatlicher Ordnung und objektiver Wissenschaft zu finden. Der Spielraum zwischen diesen Schwarz-Weiß-Positionen scheint zunehmend kleiner zu werden.


Einfache Wahrheiten setzen sich leichter durch, wer die Komplexität einer Krisensituation auf wenige „Schuldige“ reduziert, bekommt Aufmerksamkeit und Zustimmung. Das komplexere Sowohl-als-auch, die ganzheitliche und differenzierte Sicht scheint in angespannten Zeiten schlechte Karten zu haben. Angst verengt den Blick. In der Geschichte gibt es reichlich Beispiele für die Verführung mit einfachen Zuschreibungen in Form des personalisierten „Bösen“.


Neurowissenschaftlich gesehen bevorzugt das Gehirn Routine, Einfachheit und Gewohnheit, schon allein aus Energiespargründen - intensiveres Nachdenken und das Durchdringen von Komplexität bedeuten extra Aufwand und überfordert oft unsere Aufmerksamkeitsspanne. Zudem liebt es der Verstand, wenn seine Sicht der Dinge bestätigt wird. Vor reflexartiger Rechthaberei ist daher niemand gefeit.


Wenn jedoch die Fähigkeit des konstruktiven Diskurses gänzlich verloren geht und nur noch die eigene Meinung als Wahrheit angesehen wird, dann verlieren wir unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Umso wichtiger ist es, nicht nur den Kopf sprechen zu lassen, sondern auf unser Herz zu hören. Das „Herz-Hirn“ kann Gegensätze überbrücken und in Liebe verbinden.
Was ist mir wichtiger: Das Rechthaben und oder das respektvolle Miteinander?


Lasst uns also ein paar Mal tief durchatmen und mehr Sauerstoff in Hirn und Herz  einströmen, bevor wir andere pauschal ins Unrecht setzen und die Polarisierung weiter eskaliert.

 

Andreas Fiedler

 

Foto: © pixabay.com

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