Die Kunst der Selbstliebe

Als ich neunzehn war, sagte mir mein damaliger Freund, dass man jemanden nur richtig lieben könne, wenn man sich selbst liebt. Er bezog sich auf Erich Fromms’ Buch „Die Kunst des Liebens“. Hier heißt es, dass eine gelungene Partnerschaft sich nicht auf den „richtigen“ Partner oder die Partnerin gründet. Denn, wirklich zu lieben, so schreibt er, ist von der eigenen Persönlichkeitsentwicklung abhängig. 

 

Erst, wenn wir uns selbst so annehmen, wie wir sind, können wir das auch mit unserem Gegenüber tun. Wenn ich mich oder Anteile in mir selbst ablehne, werde ich sie auch nicht im Anderen lieben können. Der Andere ist immer nur ein Spiegel dafür, wie wir mit uns selbst in Beziehung sind. Lasse ich mich schlecht vom Partner oder der Partnerin behandeln, behandle ich mich selbst schlecht. Werfe ich dem anderen Beziehungsunfähigkeit vor, so ist sie auch in mir. Gehe ich streng mit mir um, bin ich es auch meist mit anderen. 

 

Ich brachte mich in meinen ersten Beziehungen in Situationen, in denen ich mich nicht geliebt, sondern sogar abgelehnt oder schlecht behandelt fühlte. So war ich beispielsweise mit jemandem zusammen, der mich im Pool untertunkte, obwohl ich ihm vorher sagte, dass ich panische Angst unter Wasser habe. Mir war klar, dass ich mich trennen sollte (er tat es sogar noch ein zweites Mal) und trotzdem dauerte es noch einige Monate, mich aus dieser insgesamt ungesunden Beziehung lösen zu können. 

Ich führte Beziehungen solcher Art, weil ich nicht alleine sein wollte. Denn wenn ich alleine war, fühlte ich mich einsam und verlassen, was noch schlimmer für mich war. 

Auch ein Merkmal für fehlende Selbstliebe. Denn, wenn wir uns selbst lieben, können wir auch gut alleine sein.

 

Ich fragte mich damals, warum ich Beziehungen führe, die mir schaden und erkannte, dass ich lernen muss, sie gar nicht erst einzugehen, wenn ich gut für mich selbst sorgen möchte.

Ich wollte mich geliebt, angenommen und wertgeschätzt fühlen. Das Wissen darum, dass es in mir beginnt, half mir dabei, dort immer wieder hinzuschauen und daran zu arbeiten. 

Wie gestalte ich die Beziehung zu mir selbst?

Für wie liebenswert halte ich mich?

 

Um hier mehr Bewusstsein zu erlangen, habe ich beobachtet, wie ich mit mir selbst bin - was ich über mich denke, wie ich mich mit mir fühle und inwiefern ich Dinge tue, die mir gut tun. Ich habe gelernt, alleine zu sein.

 

Eine Übung für mehr Selbstliebe ist folgende: Behandle Dich eine ganze Zeit so, als wärest Du Dein Partner oder Deine Partnerin. Was würdest Du für ihn oder sie tun? Vielleicht ein schönes Frühstück bereiten? Einen Ausflug planen und machen? Blumen kaufen? Was tust Du, wenn Du gerade total verliebt bist? Tue es für Dich.

 

Katharina Höricke

 

 

Bild zur Meldung: © pexels.com

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